Kochen ohne Knochen – Vegane und vegetarische Rezepte von Punks, nicht nur für Punks

“So, da wären wir wieder” werfe ich in die Runde, als wir auf die Autobahn in Richtung Karlsruhe einfahren. Denn dort spielt heute Abend die legendäre Hardcore-Punk-Band “Unbroken”. Die gibt es eigentlich gar nicht mehr. Nachdem sie ihre Hochzeit Anfang der 1990er hatte, löste sich die Band 1995 auf. Das ist nun 17 Jahre her. Im Oktober 2010 hielten sie noch eine Reunion-Show in London, zu der wir extra angereist waren. Ich damals aus Barcelona, meine Freunde aus München, Frankfurt und Stuttgart. Super-Show, aber das war’s dann gewesen, dachten wir uns. Die letzte Show – und wir waren dabei gewesen. Aber nein, vor kurzem kündigte “Unbroken” dann eine neue letzte Show in Karlsruhe an. London? Karlsruhe? Merkwürdige Stationen, die zunächst nicht zusammenpassen. Doch man sollte wissen, dass das Jugendzentrum in Karlsruhe in den 1990ern ein wichtiger Spot der Szene war.

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“So, da wären wir wieder” – zwei Jahre nach unserem Londontrip. 17 Jahre nach der Auflösung der Band. Inzwischen sind wir erwachsene Männer. Damals waren wir jung und wild. Heute geht uns nach 10 Minuten Pogotanzen die Puste aus. Dann stützen wir und auf ein Treppengeländer, atmen tief durch und beschweren uns über die vielen blauen Flecken. Wir wollten immer teilhaben an diesem Punkding. Doch leider konnten wir nicht alle so gut singen oder Gitarre spielen. Aber wir konnten schreiben. So gründeten wir unser ein eigenes Punk-Fanzine – in einer Zeit ohne Internet war das gar nicht so einfach. Wir gingen auf Punkkonzerte, schlugen uns die Köppe ein und interviewten danach in rudimentärem Schulenglisch die Bands – unsere damaligen Helden. Und wir lasen andere Fanzines aus der Szene: Inside Front, Broken Silence – ich erinnere mich kaum noch an all die Namen.

Was schrieben die anderen Leute, wie dachten sie über Bands, Platten, Politik und das Leben? Oder Essen. Ja, denn Essen und Vegetarismus waren stets ein großes Thema in der Punkszene. Einige meiner Freunde waren “Straight Edge”, das heißt: sie tranken keinen Alkohol, nahmen keine Drogen und lebten vegetarisch. Einige haben das -zumindest was den Vegetarismus angeht- bis heute durchgezogen, einige haben es irgendwann aufgegeben (ich).

Ein bekanntes Fanzine von damals, das Ox-Fanzine, begann irgendwann vegane und vegetarische Rezepte zu publizieren. Weil ich nach dem Konzert in Karlsruhe von der “alten Zeit” etwas angetan war, habe ich ein wenig durchs Internet geklickt und festgestellt: das Ox-Fanzine gibt es heute noch. Auf meine Anfrage schickten mir die Herausgeber gleich ein Exemplar ihres letzten Kochbuchs, das ich gerne empfehlen möchte. Die Rezepte sind einfach und abwechslungsreich – dazu gibt’s Musikempfehlungen und eine gehörige Portion Humor: “Spargel mit Limonensauce und Räuchertofu”, “Süßkartoffelpogo”, “Panna Cotta ohne Augen”, “Veganer Schokoladenkuchen à la Gitte” und”Veggie-Mett”. Guten Appetit!

Homepage: Das Ox-Kochbuch